Geschäftsverlauf Obst & Gemüse
Das Jahr 2025 wurde im Geschäftsfeld Obst & Gemüse wie schon die Vorjahre durch anspruchsvolle Rahmenbedingungen geprägt. Neben ungünstigen Wetterbedingungen sind hier vor allem die Auswirkungen der über das gesamte Jahr weiter andauernden Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zu nennen. Diese äußern sich in einer nach wie vor erhöhten Inflation, einem damit einhergehend konstant hohen Niveau der Energie- und Rohstoffpreise sowie negativen Auswirkungen auf die gesamte Supply Chain in Bezug auf Warenverfügbarkeit und Logistik. Dies bedeutet konkret massive Auswirkungen auf den Transportbereich aufgrund der Erhöhung der gesetzlichen CO2-Bepreisung sowie nach wie vor hohe Preise für Diesel, Transportverpackungen und Kunststoffe.
Die genannten Faktoren haben einen wesentlichen Einfluss auf das Konsumverhalten der Verbraucher*innen. Es ist wahrnehmbar, dass Ausgaben auch im Jahr 2025 in den Bereichen Obst und Gemüse gegenüber dem direkten Vorjahr wieder leicht gestiegen sind. Allerdings ist auch weiterhin eine deutliche Preissensibilität der Konsumenten erkennbar.
Den höheren Fokus auf preissensitive Absatzkanäle und Produktgruppen zeigen auch die gesamthaften Marktentwicklungen für Obst und Gemüse. Sowohl die Ausgaben- als auch die Mengenanteile für Discounter stiegen von einem ohnehin bereits hohen Niveau aus weiter an. Sie bilden in beiden Clustern mehr als 50 % des Mengenvolumens ab – mit zunehmender Tendenz in den letzten Jahren. Die Discounter festigen damit ihre Position als relevanteste Einkaufsstätte privater Konsument*innen für Obst und Gemüse, auch aufgrund des Anstiegs der Durchschnittspreise in etwa auf Inflationsniveau. Private Verbraucher*innen gaben, auch bedingt durch die Teuerungsrate, für frisches Obst und Gemüse in Deutschland 2025 mit 22,2 Mrd. Euro erneut mehr aus als in den Vorjahren.
Vor dem Hintergrund der beschriebenen gesamtwirtschaftlichen Situation, den herausfordernden Witterungsbedingungen und dem unverändert hohen Margendruck aufgrund der kund*innenseitigen Oligopool-Struktur, war das Jahr 2025 für das Geschäftsfeld Obst & Gemüse bei Landgard sehr herausfordernd. Der Fokus von Landgard Obst & Gemüse lag daher auf der Stabilisierung der Geschäftsentwicklung und der Optimierung von Prozessen mit dem Ziel, die Marge zu steigern. Unter anderem wurde in diesem Zusammenhang das Geschäftsmodell am Standort Rade signifikant angepasst. Dies erlaubt effizientere Prozessabläufe und Geschäftsprozesse. Zudem wurden Dienstleistungsprozesse effizienter gestaltet sowie die ERP-Landschaft im Geschäftsfeld weiter harmonisiert und optimiert.
Die unkonsolidierten Umsatzerlöse der gesamten Sparte Obst & Gemüse in Höhe von 0,6 Mrd. EUR verfehlen in 2025 das Vorjahr um 0,07 Mrd. EUR. Diese Entwicklung wird vorwiegend durch Bereinigungseffekte in der Gesellschaftsstruktur beeinflusst. Grundsätzlich lag auch im Jahr 2025 der Fokus auf der Vermarktung von Produkten der zur Genossenschaft gehörigen Mitgliedsbetriebe. Fremdproduzierte Ware wird dann hinzugezogen, wenn es im Sinne der ganzjährigen Warenversorgung notwendig ist. Neben der Vermarktung wurde auch weiterhin der Ausbau der nationalen und internationalen Erzeuger*innenstrukturen weiter fortgesetzt. Dabei ist das vordergründige Ziel die Stärkung des ersthändigen Warenbezugs in den relevanten Anbauregionen, um bestmöglich auf derzeitige und zukünftige Kund*innen- und Marktanforderungen reagieren zu können.
Auf Ebene der Einzelgesellschaften verzeichnete die Landgard Süd Obst & Gemüse GmbH trotz der nicht optimalen Wetterbedingungen in den relevanten Anbauregionen eine weiter positive Entwicklung. Vermarktet wurden hier vor allem Artikel aus den Produktkategorien Fruchtgemüse, Beerenobst und Steinobst. Ein besonderer Umsatztreiber war die Vermarktung von Waren aus spanischer, deutscher, türkischer und marokkanischer Produktion. Diese Maßnahmen hatten maßgeblichen Anteil an einem deutlich positiven EBITDA, wenngleich es das Vorjahresniveau um 0,09 Mio. EUR verfehlt.
Nach dem von Restrukturierungen geprägten Vorjahr stand im Jahr 2025 für die Landgard West Obst & Gemüse GmbH mit den Standorten Roisdorf und Herongen die konsequente Weiterentwicklung und Optimierung bestehender Prozesse an. Das abgekühlte Konsumklima sowie der gegenwärtige Kostendruck belasten den Rohertrag. Dennoch resultiert die operative Rohertragsmarge nur marginal unter dem Vorjahresniveau.
Die Landgard Nord Obst & Gemüse GmbH zeigte weiterhin eine überaus positive Geschäftsentwicklung, die vor allem auf das Dienstleistungsgeschäft zurückzuführen ist. Trotz geringer Marktpreise für Kohlgemüse konnte das generierte EBITDA deutlich um 2,8 Mio. EUR gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden.
Das Thema Nachhaltigkeit war auch im Jahr 2025 ein wesentlicher Bestandteil der Ausrichtung von Landgard Obst & Gemüse. Die neuen und wissenschaftlich fundierten Klimaschutzziele von Landgard Obst & Gemüse wurden von der Science-Based-Targets Initiative (SBTi) geprüft und nach internationalen Standards offiziell bestätigt. Landgard möchte mit diesen Klimaschutzzielen die Treibhausgasemissionen entlang der globalen Lieferketten für frisches Obst und Gemüse nachhaltig minimieren und so einen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens mit einer maximalen Erderwärmung von 1,5°C leisten. Darüber hinaus erfüllt Landgard mit diesen Klimaschutzzielen auch konkrete Kundenanforderungen, denen Landgard nachkommt, um für diese Kund*innen langfristig lieferfähig zu bleiben. Im Jahr 2026 werden diese Klimaschutzziele durch das Committment der Landgard eG bei der SBTi auf Konzernebene ausgeweitet. Landgard Obst & Gemüse leistet damit als eine wesentliche operative Einheit der Landgard eG einen fundamentalen Beitrag zu einer konzernübergreifenden, einheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie.
Im Bereich Nachhaltigkeit sind für Landgard Obst & Gemüse darüber hinaus auch die Punkte Müllvermeidung und nachhaltige Verpackungen von besonderer Bedeutung, da auch diese Bereiche von Preissteigerungen betroffen sind und der ökologische Fußabdruck von Landgard als nachhaltige und moderne vermarktende Erzeugergenossenschaft weiterhin reduziert werden soll. So kann auch hier kontinuierlich ein weiterer Beitrag zur Optimierung der Umweltbilanz geleistet werden und darüber hinaus können gesetzliche Anforderungen, die sich unter anderem durch die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) ergeben, erfüllt werden.
Aufgrund weiterer gesetzlicher Vorgaben, die teilweise ab 2026 umgesetzt werden müssen, hat sich Landgard Obst & Gemüse in 2025 bereits umfassend mit den Anforderungen der Entwaldungsverordnung EUDR oder auch der EmpCo-Richtlinie befasst. Im Gegensatz zu der Schwester Landgard Blumen & Pflanzen fällt Landgard Obst & Gemüse nach jetzigem Stand nicht in den Anwendungsbereich der EUDR. Die Kennzeichnungspflicht im Rahmen der PPWR und die Nachhaltigkeitskommunikation im Rahmen der EmpCo-Richtlinie werden aktuell angepasst, damit die gesetzlichen und kundenspezifischen Anforderungen auch künftig vollumfänglich erfüllt werden können.
Darüber hinaus wirken weitere Initiativen unterstützend, wie zum Beispiel das interne unternehmensweite Krisenmanagement, das den Energieverbrauch bei Landgard auf Basis von technischen, verhaltensrelevanten und organisatorischen Maßnahmen erheblich eindämmen konnte.
Im Geschäftsjahr 2025 lag der Fokus der Marketingaktivitäten im Bereich Obst & Gemüse auf den Verkaufskonzepten „IssSo“ sowie dem neu entwickelten Konzept „Anders Perfekt“. Ergänzt wurden diese durch die Vermarktung der Clubsorten „Evelina“, „Xenia“ und „Bloss“.
Zentrale Impulsgeber waren die Messeauftritte auf der Fruit Logistica, der BioFach sowie der Fruit Attraction, bei denen Landgard eine Vielzahl innovativer Produkte und Sortimentskonzepte präsentierte. Im Fokus standen kreative Vermarktungsideen, neue Markenansätze sowie die Weiterentwicklung bestehender Konzepte. Zudem wurde gezeigt, wie durch gezielte Anpassungen – beispielsweise bei der Vermarktung von Brokkoli-Röschen ohne Strunk – sowohl Mehrwert für Verbraucher*innen als auch eine Reduzierung von Lebensmittelverlusten erreicht werden kann.
Mit den Verkaufskonzepten „IssSo“ und „Anders Perfekt“ wurde der Fokus konsequent auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gelegt. Während „IssSo“ bereits erfolgreich im Markt etabliert ist, wurde „Anders Perfekt“ gezielt für einen Kunden entwickelt, um Obst und Gemüse außerhalb der Norm stärker in Wert zu setzen und aktiv zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung beizutragen. Ergänzend zeigen neue Produktideen und Vermarktungsansätze, wie nicht normgerechte Ware erfolgreich in den Handel integriert werden kann.
Die Clubsorten „Evelina“, „Xenia“ und „Bloss“ wurden im Berichtsjahr weiter im Markt positioniert und ausgebaut. Sie stehen für qualitativ hochwertige, differenzierte Angebote im Kernobstsegment und leisten einen wichtigen Beitrag zur Profilierung im Lebensmitteleinzelhandel.
Ein besonderes Highlight war zudem eine groß angelegte Kundenveranstaltung im September 2025, bei der der direkte Austausch zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern sowie den Mitarbeitenden des Kunden im Mittelpunkt stand. Dabei wurde praxisnahes Wissen zum Anbau, zu Produkten und Qualitätsmerkmalen aus erster Hand vermittelt und so die Beratungskompetenz im Handel gezielt gestärkt.